Da tanzt das Ei – L’Ou com balla

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Mit Gelächter und Staunen betrachten Barcelonier und Touristen jedes Jahr zu Fronleichnam ein seltsames Schauspiel. Ein Ei hüpft auf einem Wasserstrahl fröhlich hoch und runter und man wartet nur darauf, dass es gleich hinunter fällt. Das tut es jedoch nicht; vielmehr scheint es förmlich zu tanzen. Fehlt eigentlich nur noch die Musik und daher heisst das Spektakel auch L’Ou com balla, was so viel bedeutet wie „Das tanzende Ei“.

Über Bedeutung und Herkunft gibt es nur Spekulationen. Historische Schriften bezeugen das Schauspiel bereits im Jahr 1637 in der Kathedrale von Barcelona. Andere verweisen auf aufgefundene Rechnungen von Eiern im vierzehnten Jahrhundert, genau zu Fronleichnam. Wer die maurischen Wasserspiele in Andalusien kennt, könnte hier eine Verbindung sehen. Möglich ist auch der Symbolgehalt der dem Ei den geweihten Leib und dem Wasser das Blut Christi zuweist. Andere sehen hier eine Allegorie für das Auf und Ab des Lebens mit allen seinen Höhen und Tiefen.

Möglicherweise hat sich jemand vor fast 400 Jahren einfach nur gelangweilt und ein mitgebrachtes Ei auf den Wasserstrahl gestellt. Eine neuer Brauch war somit geboren. Warum auch nicht?. Katalonien ist voller skuriller Gebräuche mit religiösen Kontext, wie zum Beispiel den Caganer, den Kackesmann zu Weihnachten.

Der Brunnen des Kreuzgangs der Kathedrale von Barcelona und die Casa de l’Ardiaca (Sitz des Historischen Archivs der Stadt Barcelona) sind die traditionellen Orte, an denen wir das Tanzei finden. Weitere Orte sind das Archiv der Krone von Aragón, gleich neben dem MUHBA oder der Innenhof des Frederic Marès Museums.

Das tanzende Ei. Wer’s nicht glaubt: Hier ein Video

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