Das schönste Krankenhaus der Welt – Recinte Modernista Barcelona

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Wir alle kennen ein Krankenhaus von innen. Es steht für Phenolgeruch, weisse Kittel und vor allem für streng funktionelle, schlichte Architektur. Die Patienten des 1920 errichteten Hospital de la Santa Cruz y San Pablo hingegen wurden von einem 300 x 300 meter grossen Areal mit 19 prächtigen Pabellons empfangen, das so als Filmkulisse für einen Märchenfilm dienen könnte. Grosszügig angelegte Gartenflächen, kunstvolle Kacheln und Figuren, bunte Kuppeln, und das alles ausdrücklich für die Gesundheitsversorgung der Armen. Das Krankenhaus wurde inzwischen ausgelagert und das Recinte Modernista steht seit 2014 dem Publikumsverkehr offen. Es zeigt den visionären Zeitgeist der Belle Epoque und die Hingabe der Bourgeoisie für ihre Stadt. Immerhin wurde eine Bank komplett abgewickelt, um den Bau zu ermöglichen.

Recinte Modernista Barcelona. Bildergalerie

  • Wie es war. Innenraum eines Pabellons mit wandgrossem Foto.

Der Bankier Pau Gil i Serra hinterliess in seinem Testament genaue Anweisungen was mit seinem Erbe geschehen sollte. Er hatte in Paris ein Vermögen gemacht und da er kinderlos blieb, verfügte er die Liquidierung seiner Bank. Die Hälfte der freiwerden Mittel war für den Bau eines Krankenauses nach neuesten hygienischen Erkenntnissen bestimmt. Eine Kommission, bestehend aus Ärzten und Architekten entwarf eine Ausschreibung und lehnte zunächst drei Baupläne ab. Keiner der eingereichten Entwürfe erfüllte die strengen Kriterien des Erblassers. 1902 war es dann soweit. Nach langen Verhandlungen erhielt der renommierte Architekt Lluís Domènech i Montaner den Zuschlag.

katalanischer Jugendstil

Lluís Domènech i Montaner, Architekt des Recinte Modernista

Keine einfache Entscheidung. Domènech i Montaner war ein geachteter Architekt und Kunsthistoriker, und gilt als einer der Begründer des katalanischen Jugendstils (Modernisme). Er hatte jedoch seine ganz eigenen Vorstellungen, wie das Gelände in die Stadtlandschaft eingepasst werden sollte. So wurden die Gebäude und Wege nicht im Gleichmass des Stadteils Eixample angepasst, sondern im Winkel von 45 º zu den restlichen Gebäuden der Umgebung ausgerichtet. Vorgeblich wegen der Windverhältnisse aber ein Blick auf den Stadtplan stellt klar: Der Eingang zeigt direkt zum Werk eines anderen zeitgenössischen Genies der Architektur, nämlich der Sagrada Familia von Antoni Gaudí.

Bereits das Verwaltungsgebäude am Eingang verspricht Grosses. Es zeigt gothische Lilien, hispanisch-arabische Fensterbögen, christliche Symbole und eine neoklassische Turmuhr. Dahinter befinden sich die Pabellons für die jeweiligen Funktionen, wie Chirurgie, Notfallmedizien etc. Jedes Pabellón ist verschieden und alle sind der Grösse nach angeordnet. Je weiter vom Verwaltungsgebäude entfernt, desto grösser. Jedes der Pabellons hat einen eigenen Wasserturm. Die Patienten wurden in unterirdischen Gängen zu den einzelnen Einheiten geschoben. Die grosszügigen Abstände der Gebäude sollte hygienischen Ansprüchen genügen und die vielen Grünflächen waren ursprünglich für den Anbau von therapeutischen Pflanzen vorgesehen.

Ein Blick auf die Details lohnt sich. Der katalanische Jugendstil versteht sich als ganzheitliche Kunstform. Doménech i Montaner sorgte bis ins letzte Detail für die reichhaltige Ausstattung der Innenräume mit kunstvollen Keramiken, hergestellt von lokalen Manufakturen. Die Innenräume der Krankensäle sind vor allem mit Gelb- und Grüntönen zurückhaltend dekoriert. Die Aussenfassaden hingegen enthalten eine Fülle von farbenfrohen religiösen und historischen Symbolen. Immer wieder auch die Kürzel P G als Hommage an den Mäzen Pau Gil. Typisch für den katalanischen Modernisme: Die vielen „Trenquadis“ Mosaiken mit Blumenmotiven.

Vom Krankenhausbetrieb ist nicht mehr viel zu sehen. Grosse Wandbilder und animierte Projektionen vermitteln dem Besucher noch einen Eindruck, wie es damals war.

Barelonatipps: Der katalanische Jugendstil gehört zur DNA der Stadt. Wer Barcelona verstehen will, sollte hier vorbeischauen. Es ist (noch) nicht überlaufen.

Metro Sant Pau Dos de Maig, línea 5

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