Die Kathedrale und die 13 Gänse

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Nur wenige können sich dem mythischen Hauch beim Betreten einer gothischen Kathedrale entziehen. Die Stimmen werden gedämpfter, der Blick folgt den schlanken Säulen nach oben und die Besucher nähern sich vorsichtig den Heiligenfiguren in den Seitenräumen. Auch die Besucher der Catedral de la Santa Cruz y Santa Eulalia de Barcelona halten für eine Sekunde den Atem an, um die wuchtigen Eindrücke von Licht, Stein und hallendem Geräuschgewirr zu verarbeiten.

Wer das Anwesen jedoch durch den Seiteneingang Puerta de Santa Eulalia betritt, den empfängt ein heller Innenhof mit Bäumen, einem angelegtem Teich und ein fröhliches Geschnatter von 13 Gänsen, die wacker watschelnd das Gebäude bewachen. Der Legende nach waren bei den Bauarbeiten im 14. Jahrhundert eine  Schar von Gänsen anwesend, die durch ihr Geschnatter einen Einbruch gerade noch verhindert hatten. Man dankte es ihnen und richtete dieses effektive Alarmsystem ein, das nunmehr mehr als 600 Jahre jeden Einbrecher abgeschreckt hat.

Die Zahl 13 symbolisiert das Alter in dem die heilige Eulalia im Jahre 303 von den Römern ermordet wurde. Das Mädchen wollte seinen christlichen Glauben nicht verleugnen und bezahlte diese Standfestigkeit mit dem Leben. Ihr Martyrium wurde offiziell von der Kirche mit der Heiligsprechung 633 anerkannt. Ihre Überreste liegen in einer Gruft im mittleren Teil der Kathedrale.

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  • Chorgestühl der Kathedrale

Die Kathedrale wurde ab 1298 auf den Überresten einer anderen Kathedrale errichtet. 150 Jahre dauerten die Bauarbeiten bis zur Einweihung der drei Schiffe, der Basilika und dem Kloster mit seinem Kreuzgang. Bis ins 19 Jahrhundert blieb das Gebäude in dieser Form bestehen. Historische Fotos aus dem Jahre 1880 belegen: Die damalige Erscheinung hat nur wenig mit der jetzigen Struktur gemein. Der industrielle Manuel Girona i Agrafel konnte sich nicht so recht mit der bescheidenen Präsenz im Zentrum der Stadt anfreunden und unterstützte mit finanziellen Mitteln eine grundlegende Sanierung der Vorderfront. Seine Söhne setzten die Arbeiten fort, und im Jahre 1913 präsentierten sie ihrer Stadt eine völlig neue Fassade mit zwei Seitentürmen im neogotischem Stil.

Sehenswert ist das prächtige Chorgestühl aus dem 15 Jahrhundert mit den Wappen des Ordens vom Goldenen Flies (Orden del Toisón de Oro) auf der Rückseite. Das prächtige Orgelgehäuse aus dem Jahre 1538 ist bereits Renaissancestil. Die Orgel selbst wurde 1994 eingebaut und wird regelmässig für Konzerte genutzt. Das Dach ist über einen Aufzug erreichbar und bietet eine interessante Sicht auf die Seitentürme und das Meer. Eine der Kappellen stellt den „Christus von Lepanto“ dar, eine Gallionsfigur eines Schiffes, das in der Schlacht von Lepanto 1571 gegen die Osmanen eingesetzt wurde. Von aussen lohnt sich ein Blick nach oben auf die Wasserspeier. Von religiösen Konventionen befreit haben die mittelalterlichen Künstler ihrer Phantasie freien Lauf gelassen und einige unheimliche Figuren geschaffen.

Barcelonatipps: An heissen Sommertagen ein Segen.

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