Montjuïc – Der schaurig schöne Hausberg

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Wer andere europäische Städte mit Bergen und Hügeln kennt merkt schnell – irgend etwas stimmt hier nicht. Anderswo sind städtische Anhöhen urbanisiert und die begehrten Lagen mit schönen Aussichten sind oft mit repräsentativen Stadtwohnungen bebaut. Hier jedoch ist alles anders.  Auf den Flächen mit der schönsten Südwesthanglage mit Blick aufs Meer liegt – ein Friedhof. Auf der Spitze des 173 Meter hohen Berges liegt eine militärische Festung mit Öffnungen für Kanonen mit Schussrichtung direkt auf die Stadt.

Für die Barcelonier ist das nicht irgendein Berg. Der Montjuïc war bis 1975 ein Symbol der Unterdrückung und Willkürherrschaft. Im Innenhof wurde 1940 der gewählte Präsident Kataloniens und Volksheld Lluis Companys hingerichtet. Bis 1960 hallten regelmässig Schüsse aus den hochgesicherten Mauern wenn bis zu 4000 politische Häftlinge hingerichtet wurden.  Im kollektiven Gedächtnis bleibt ebenfalls die Bombardierung Barcelonas im Jahre 1842 während eines Volksaufstandes gegen die Herrschaft der Bourbonen.

Dies erklärt die eigentümliche Distanz zur Stadt, trotz der räumlichen Nähe. Dennoch: Die Einwohner wissen im Grunde welche Perle sie da vor der Haustür haben. Zunächst verdankt Barcelona dem Berg seine Existenz. Die ersten iberischen Siedler, die Laietani, fanden in der Anhöhe ideale Lebensbedingungen und vor allem Schutz vor ihren Feinden. Später, ungefähr 200 vor Christi, gründeten die Römer eine militärische Kolonie mit dem Namen Barcino. Im Mittelalter profitierten die Barcelonier von der hervorragenden Qualität des Gesteins, unter anderem für den Bau der Kathedrale des Meeres. Von dieser Zeit stammt auch der Name Montjuïc von der Bezeichnung „Berg der Juden“, da sich auf der Ostseite ein jüdischer Friedhof befand.

  • Aussicht vom Montjuic

Heute ist der Montjuïc der Balkon der Stadt und gehört zu den touristischen Highlights, vor allem bei den angenehmen Temperaturen im Frühling und Herbst. Die Burg bietet einen Panoramablick rundum über die Stadt, den Freihafen, das Hinterland und selbstverständlich das Mittelmeer. Die Schokoladenseite liegt gegenüber der Plaza de España, wo eine ganze Reihe von interessanten Bauwerken ganz dicht beieinander stehen.

Zwei der wichtigsten Museen der Stadt stehen hier. Das Museu Nacional d’Art de Catalunya und das Caixafórum. Vor dem Caixaforum steht der Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe. Es ist zwar „nur“ ein Nachbau des Originals von 1929, aber die richtungsweisende Architektur lässt sich sehr gut ablesen. Darin befindet sich auch der Barcelona-Sessel, dessen Eleganz richtungsweisend für folgende Designergenerationen war.

Abends ab 21:00 Uhr (ab 21:30 im Juni bis September einschl) erlebt man hier eine der schönsten Wassershows Europas, und das ohne Eintritt. Der Magische Brunnen von Montjuïc (Font Màgica de Montjuïc), präsentiert Wasserspiele synchronisiert mit Hintergrundmusik. Ein unglaubliches Spektakel mit Licht, Musik und Wasser für die lauen Sommernächte, das die Menschen seit seiner Einweihung zur Weltausstellung 1929 mit immer neuen Choreographien fasziniert.

Unweit der Fuente Mágica befindet sich das Freilichtmuseum Poble Espanyol (spanisches Dorf), das ebenfalls anlässlich der Weltausstellung im 1929 fertiggestellt wurde. Das Poble Espanyol präsentiert ein typisch spanisches Dorf mit Plätzen, öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern. Es ist ein Ort für die ganze Familie, mit Veranstaltungen für Kinder und Konzerten.

Exotische Pflanzen, unter anderem aus Australien, Kalifornien und Südamerika, eine herrliche Aussicht auf die Stadt und die olympischen Sportanlagen, Ruhe und saubere Luft, das alles bietet der Jardí Botànic. Für Fans der mediterranen Pfanzenwelt ein Fest. Immerhin wachsen hier auf 14 Hektar Hügelfläche mehr als 15000 Pflanzenarten. Der Park wurde erst 1999 eröffnet und ist in unterschiedliche Herkunftsregionen der Pflanzenarten aufgeteilt. Ein ausgeschilderter Rundgang mit vielen Hinweisschildern liefert Expertenwissen über die Vielfalt der Vegetation in aller Welt.

Barcelona Jardi Botanic

Jardí Botanic Aufteilung nach Herkunfsorten der Pflanzenarten

1992 hatte Barcelona sein Sommermärchen. Fragen Sie einen Barcelonier über 35 nach den olympischen Spielen. Jeder weiss ganz genau, was er wann und wo gemacht hat, und erzählt ihnen ganz persönliche Geschichten, wie zum Beispiel die spektakuläre Zündung der olympischen Flamme mit einem brennenden Pfeil, abgeschossen von dem Bogenschützen Antonio Rebollo, oder den dramatischen Marathoneinlauf. Stephan Freigang erreichte damals das Stadion als Dritter. Der Japaner Takeyuki Nakayama überholt ihn noch kurz vor dem Finale. In einem dramatischen Sprint zieht Freigang mit allerletzten Kräften noch an ihm vorbei und schafft noch die Bronzemedalle.

Der Ort des Geschens ist die Anlage Anillo Olimpico, der sich zu einer wahrhaftigen Pilgerstätte für Sportfans entwickelt hat. Hier, im Estadi Olímpic Lluís Companys wurde Sportgeschichte geschrieben mit 32 Weltrekorden und 73 olympischen Bestzeiten.

Torre calatrava

Torre de Calatrava

Zur Magie des Anillo Olimpico gehört auch der Telekommunikationsturm Torre de Calatrava, den die spanische Telefongesellschaft Telecom anlässlich der Spiele unweit des Stadions erbaute.

Ein einfacher gerader Turm mit Antenne und so kommt für eine Designerstadt wie Barcelona natürlich nicht in Frage. Die Manager beauftragten daher den Avantgard-Architekten Santiago Calatrava und errichteten einen futuristischen, schneeweissen, kurvigen Hingucker. Die Form des Turms mit 136 meter Höhe erinnert (mit viel Fantasie) an einen Sportler mit olympischer Flamme.

Die Museum Fundación Joan Miró zeigt mehr als 10 000 Werke des Vorreiters des Surrealismo. Seine Bilder und Skulpturen sind Interpretationen des Unterbewussten, der infantilen Kunst und der katalanischen Kultur. Miró selbst und der Architekt Josep Lluís Sert, mit dem er eng befreundet war, gestalteten das Gebäude das 1975 eröffnet wurde.

Richtig erleben kann man den Berg mit der Seilbahn  Teleférico de Montjuïc der vom Park zur Festung fährt. Die Fahrt dauert zwar nur etwa 5 minuten aber es lohnt sich, denn die kurze Reise bietet einen herrlichen Blick auf die ganze Stadt.

Barcelonatipps: Herrlicher Blick und Einblick in die Geschichte des Landes.

Eintritt 5 Euro. Sonntags ab 15:00 Uhr Eintritt frei.

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