Thilo Elmering aus Goslar. „Barcelona ist ein tolles Pflaster“

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Thilo Elmering, Direktor einer Unternehmensberatung

Da ist es wieder, dieses Halblächeln und der Blick über den Gesprächspartner hinweg ins Weite, das man oft bei Expats sieht, wenn alte und neue Heimat direkt verglichen werden. „Goslar am Harz und Barcelona sind dann doch zwei Paar Stiefel würde ich mal sagen“ lächelt er und atmet tief durch. Und ausserdem: 20 Jahre sind eine sehr lange Zeit und in der Heimat hat sich doch einiges geändert. Und vor allem: „So was wie das hier haben wir dort nicht“ er breitet die Arme aus und deutet auf das offene Meer und die Strandkneipe in Barceloneta wo diese Unterhaltung stattfindet.

Thilo Elmering hat es geschafft. Ein Erasmusprojekt führte ihn zunächst nach San Sebastian, anschliessend nach Mallorca und zu guter Letzt, auch der Liebe wegen, nach Barcelona. Die beruflichen Aussichten wären für den Maschinenbauingenieur in Deutschland möglicherweise aussichtsreicher gewesen, aber für ihn und seine damalige Partnerin stand fest: „Wir bleiben hier“. Die hohe Konzentration von Zulieferern aus der Automobilindustrie für das Seat – Werk taten ein Übriges. Thilo qualifizierte sich zum anerkannten Qualitätsexperten und stieg zum Direktor auf.

Für den ruhelosen Manager wurden die Routine und die fehlenden Herausforderungen jedoch zu langweilig und der Job als „Qualitäter“ war auf Dauer keine Perspektive. „Wenn alles funktioniert und die Teile gut sind, war es die Produktion, die alles richtig gemacht hat, wenn es nicht funktioniert und es schlechte Teile gibt, dann hat die Qualitätssicherung geschlafen und muss die Schläge einstecken“ raunzt er. 2001 schliesst er ein zweijähriges MBA-Programm an der renommierten Businesschool EADA ab und 5 Jahre später macht er sich selbständig. Inzwischen ist er Inhaber einer Unternehmensberatung für Qualitätsdienstleistungen mit 30 Mitarbeitern.

„Geschenkt gibt es nichts und auch hier musst du täglich liefern“ sagt er langsam und begutachtet das Etikett auf der Bierflasche. Es gibt schon Dinge, die man vermisst, wie zum Beispiel das gute Weissbier oder ein anständiges Schwarzbrot. Auf der anderen Seite, wenn man gut und gern isst, ist man hier sicherlich gut aufgehoben. Spanien hat eine tolle kulinarische Kultur und es gibt Restaurants mit allen Fleisch – und Fischvariationen ohne Ende. Weihnachten ist natürlich ein besonderes Thema und das verbringt er selbstverständlich in Deutschland. Nach einigen Tagen grauerverhangenem Himmel kehrt jedoch das Heimweh nach Spanien zurück. Denn immerhin, „so wie jetzt im November sitzt da keiner unter freiem Himmel wie wir jetzt.“

Viele Dinge nimmt man in Spanien etwas lässiger und das hat natürlich auch seine Nachteile. Vieles ist schlechter geregelt, wie der Verkehr, der Umweltschutz, die Sicherheit. Auch die Politik ist in Spanien generell, und in Catalunya speziell, immer ein Punkt sich zu ärgern. Da ist zum einen die grassierende Korruption und zum anderen die katalanische Landespolitik, die es für seine Kinder unmöglich macht, sie mit Spanisch als Hauptsprache zu erziehen (es gibt eine deutsche, eine englische, eine französische Schule, aber keine spanische), alle werden obligatorisch durch das katalanische System geschleust, mit Castellano als erster (oder sogar zweiter) Fremdsprache. Das Thema Unabhängigkeit ist vor allem seit 2012 hochgekocht, und bei einer Abspaltung von Spanien würde sich Thilo in der Tat überlegen, ob es ratsam wäre, in Barcelona zu bleiben. Zum Glück ist das Thema nun etwas nach hinten gerückt und eine Sezession erscheint weniger wahrscheinlich.

Wenn Freunde aus Deutschland kommen, versucht er das besondere Barcelonafeeling zu vermitteln und organisiert eine grosse Runde: Paseo de Gracia, Plaza Catalunya, Ramblas bis Mare Magnum und dann wieder hoch durch La Ribera (El Born) und Barrio Gótico. Er geht fast jedes Wochenende mit seiner Frau aus, aber selten zu den gleichen Restaurants oder Bars. Es gibt doch so viele Möglichkeiten, da verlässt er sich auf Empfehlungen von Freunden oder auch von Beurteilungen im Tripadvisor oder Barcelonatipps.

Ob er ein Leben in Barcelona empfehlen könnte?. Das kann man wirklich nicht pauschal sagen. Barcelona ist ein tolles Pflaster. Es sprüht vor mediterranem Leben und vor allem in den warmen Sommernächten ist immer irgendwo etwas los. Aber man muss natürlich den Lärm, die hohen Preise und alles was mit Grosstadt zu tun hat in Kauf nehmen. Er selbst lebt etwas ausserhalb im beschaulichen Vilanova y Geltru mit seiner Familie, gleich in Strandnähe und eigentlich möchte er von da nicht mehr weg.

Für Barcelonabesucher formuliert er präzise Empfehlungen gegen Taschendiebstahl, die so durchaus in einem Qualitätshandbuch stehen könnten, und dazu angetan sind die „Wahrscheinlichkeit für unvorgesehene Vorfälle zu verringern“. Denn immerhin: „Barcelona ist eine Weltstadt und auch die zumeist angereisten Taschendiebe sind hier auf Weltniveau“

Für Frauen:

  • Die Handtasche trägt man auf der Seite der Häuserwand
  • Handtaschen behält man immer im Auge und die Reissverschlüsse sind immer zu
  • Auf keinen Fall hinten an den Stuhl hängen, sondern vorne auf einen anderen Stuhl stellen
  • Bei Discothekenbesuchen oder anderen Feierlichkeiten das Getränk immer im Auge behalten und am besten so in der Hand tragen, dass niemand etwas hineinschütten kann

Für Männer:

  • Die Geldbörse, Handies etc. nicht hinten in der Hosentasche tragen oder vorne wenn die Taschen sehr weit sind

Allgemein:

  • Das Handy im Strassencafé nicht auf den Tisch legen lassen
  • Selbstverständlich auch keine Sachen alleine liegen lassen. Am Strand Nachbarn (am besten mit Kind) fragen, ob sie kurz auf die Sachen aufpassen während man ins Wasser geht. Im Zweifelsfall im nächstgelegenen Chiringuito fragen, ob sie auf unsere Sachen aufpassen können
  • Wertsachen sollte man so wenig wie möglich auf einen Barcelonabesuch mitnehmen, und an den Strand schon gar nicht
  • Viele (meist jugendliche) Barcelonabesucher werden ausgeraubt während sie alleine oder zu zweit ihren Rausch am Strand ausschlafen!
  • Speziell in der Metro oder bei Menschenaufläufen die Hand an die Börse und an die Tasche, das ist bevorzugtes Terrain der „carteristas“

Chassan Jalloul

 

 

 

 

 

 

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