Sagrada Familia Barcelona – Der sakrale Wolkenkratzer

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November 2010. Chorgesänge hallen vor 6500 geladenen Gästen durch den Monumentalbau. Katholische Würdenträger in weißen Gewändern und gefalteten Händen blicken auf den Altar. Es ist soweit. Papst Benedikt XVI giesst Öl auf den Altar der Sagrada Familia. 128 Jahre nach Baubeginn erhält die sakrale Baustelle den Rang einer Basilika. In seiner Predigt verweist der heilige Vater ausdrücklich auf den Architekten Antoní Gaudí und bezeichnet ihn als “genial”.

Die Fachwelt und jährlich fÜnf Millionen Besucher jedes Jahr stimmen zu. Gaudí ist gerade 31 Jahre alt als der Bauträger, ein Inhaber einer religiösen Buchandling, ihn auf das Projekt anspricht. Es wird zum Lebenswerk des talentierten Architekten, der in den letzten Jahren bis zu seinem Tod mit 74 Jahren sogar auf der Baustelle wohnte. Dass er die Fertigstellung nicht mehr erleben würde war ihm wohl bewußt, aber für den tiefreligiösen Architekten stand fest: “Mein Kunde hat keine Eile”.

Der Gaudí Code

Gaudí glaubte an Gott und an die Natur. Rechtwinklige Ecken und schnurgerade Linen hat Gott jedoch nicht vorgesehen und so findet man diese nur da, wo es nicht anders geht. Wohl aber gibt es Linien,die sich von Geraden ableiten lassen, und so folgen die geschwungen Formen der Sagrada Familia exakten Berechnungen von sogenannten Regelflächen. Die typischen typischen Strebebögen gothischer Kirchen waren somit nicht mehr notwendig. Sie werden ersetzt duch schlanke Säulen die tausende von Tonnen Gewicht sicher ableiten.

Gaudí starb 1926 bei einem Unfall. Baupläne hinterließ er nicht und 10 Jahre später zerstörten fanatische Anarchisten die meisten masstabsgerechten Gipsmodelle, die als Vorlage dienten. 12 Jahre mühselige Kleinarbeit waren dahin. Die verzweifelten Asistenten sammelten die Stück wieder auf und stellten in mühsamer Kleinarbeit einige Modelle wieder her. Hier steckt das Denken Gaudis und

Die restlichen Bruchstücke wurden so gut wie moglich sortiert und eingelagert. Sie bergen die Geheimnisse des Gaudi-Codes und mehrere Generationen von Experten versuchen seitdem die weiteren Teile so gut wie möglich wieder zusammenzufügen.

Heute arbeitet ein internationales Team  von Top-Architekten mit modernsten Methoden des “Reverse Engineering” am Monumentalbau. Mit Software aus der Raumfahrt und 3D Druckern berechnet ein internationales Expertenteam was Gaudí im Kopf hatte. Konventionelle Architektenprogramme genügen da nicht mehr. Darüber hinaus, müssen sie auch etwas von Biologie verstehen, denn die Proportionen und Verzweigungen hatte sich der Jahrhundertarchitekt von Pflanzen und Bäumen abgeschaut.

Nahezu unbemerkt von tausenden Besuchern verbauen speziell ausgesuchte Experten jede Woche ca 300 Tonnen hochwertiges Gestein aus Steinbrüchen in England und Iran. Die steinernen Module werden in einer Firma in ca 90 Km Enfernung mit Hochdruckwasserstrahlen millimetergenau geschnitten und komprimiert. Der Turm soll auch mittlere Erdbeben problemlos überstehen.

Eine Fassade erzählt eine Geschichte

Fassade Sagrada Familia

Geburtsfassade der Sagrada Familia

Antoni Gaudí gestaltet die Sagrada Familia voller Symbolik wie eine steingewordenen Bibel. Die drei Fassaden der Basilika widmet er den drei Etappen des Lebens Jesu, nämlich Geburt, Tod und Auferstehung und Glorie.

Von der Parkanlage erblickt man die Geburtsfassade mit ihren drei Portalen. Auf dem zentralen Portal befindet sich eine Inszenierung der Krönung der Jungfrau Maria als Belohung ihrer göttlichen Hingabe. Gaudí hat die Fertigstellung dieses Teilstücks noch erlebt.

Die Fassade ist überreichlich mit symbolischen Ornamenten bedeckt. Die immerwährenden Wandlungen der Natur wird von Chamäleon dargestellt und die vielen Blumen und Pflanzen präsentieren den Triumf des Lebens und der Natur.

Die meisten Originalskulpturen wurden während des Bürgerkriegs zerstört. Die heutigen Darstellungen stammen vom japanischen Bildhauer Etsuro Sotoo.

Die düstere Passionsfassade wird von 6 schrägen Säulen getragen, die Baumstämmen nachgebildet wurden. Ornamente oder sonstiges Schmuckwerk sucht man hier vergeblich, denn hier wird der Leidensweg Jesu erzählt. Im Zentrum über dem Portal ist eine Darstellung der Via Crucis unter den wachsamen Augen von zwei römischen Soldaten.

Fassade Sagrada Familia Leidensweg

Die Skulpturen stammen erst aus den 80-er Jahren von dem katalanischen Bildhauer Josep Maria Subirachs. Die beiden römischen Soldaten Mitte links sind den Kaminen der Casa Milà nachempfunden. Weitere Darstellungen zeigen das letzte Abendmahl, den Judaskuss und die Verlegnung Petrus. Die Chronologie der Ereignisse wird in S-Form dargestellt, beginnend von links unten bis rechts oben.

Die letzte Fassade ist der Seligkeit gewidmet und wird erst in den nächsten Jahren fertiggestellt. .

 

18 Türme für die Ewigkeit

Wenn alles klappt ragt der Hauptturm in wenigen Jahren 172 Meter in den Himmel und übertrifft somit alle Sakralgebäude der Welt, Kölner Dom inbegriffen. Dabei hätte sie sogar etwa höher sein können, aber dann hätte die Sagrada Familie den MontjuÏc überschritten. Und das geht gar nicht, aus Respekt vor der Schöpfung. Dieser Turm ist dem Erlöser Jesus Christus gewidmet.  Die Wände des Innenraumes werden mit Keramiken und Glas belegt und symbolisieren das Firmament. Ein runder Schacht birgt den Aufzug, der die Besucher bis zur Spitze fahren wird. Dort ist ein 15 Meter hohes vierarmiges Kreuz geplant, belegt mit venezianischen Mosaiken, deren Schimmer im Sonnenschein von der ganzen Stadt sichtbar sein wird.

Zum Bau werden millimetergenaue Module verwendet, die ausserhalb der Stadt hergestellt werden. Es reicht nicht, die Teil einfach zusammenzumörteln, denn immerhin mussen mehrere  tausend Tonnen erdbebensicher  verarbeitet werden. Daher werden die Module mit neuartigen Verfahren zunächst hydraulisch gespannt, um die Festigkeit zu erhöhen. Anschliessend müssen die Teile 6 Kontrollstufen verlaufen, bis sie mit Spezialtransporten nach Barcelona verbracht werden. Spezialkräne heben die tonneschweren Module zu ihrem Bestimmungsort, wo sie wie gigantische Puzzlestücke von den Spezialisten eingefügt werden. Eine Meisterleistung in jeder Hinscht. Architektonisch, teschnisch logistisch und künstlerisch.

 

Hauptturm Sagrada Familia

Teilstück des Hauptturms der Sagrada Familia

 

Das ist aber noch nicht alles. Vier weitere Türme, jeder 125 hoch, widmet der Jahrhundertarchitekt den vier Envangelisten Matthäus,Markus, Lukas und Johannes und jeder einzelne ist erkennbar durch eine unverwechselbare Symbolik.

Türme Evangelisten Sagrada Familia Barcelona

Von links nach rechts: Johannes, Markus, Matthäus und Lukas
Foto: Guia Visual La Sagrada Familia Dos de Arte Ediciones

 

Der Marienturm befindet sich über der Apsis und seine Spitze in 120 Metern Höhe wird von einem glänzenden Stern gekrönt sein. Die vier Evangelien, Johannes, Markus, Matthäus und Lukas werden jeweils durch einen 125 Meter hohen Turm repräsentiert.

Aber warum eigentlich so viele? Normalerweise beherbegen Kathedralen die Glocken in einem Hauptturm und dann gibt es höchstens noch zwei Seitentürme. Gaudí aber plante gleich 12 Glockentürme. Vier auf jeder Fassade und jeder einzelne ist einem der 12 Apostel gewidmet.

 

Sagrada Familia von Innen

Eines Gottestempels würdig ist schon das Licht, das die Skulpturen, Säulen und Besucher freundlich anstrahlt. Eine Sinfonie der Farben, je nach Sonneneinstrahlung mit wechselnder Melodie ohne schrille Untertöne. Im Gegensatz zu gotischen Kathedralen reicht die Buntverglasung bis in den unteren Teil, sodass der gesamte Innenraum optimal ausgeleuchtet wird. Sogar die ovalen Wappen der Säulenkapitel erscheinen rückwärtig beleuchtet. Ein Effekt, der einzig durch die intelligente Lichtgestaltung entsteht.

Überhaupt die Säulen. Die Struktur erinnern an Blumenstengel und das ist kein Zufall. Auch hier stand die Natur Pate. Form follows function, wusste schon Gaudi vor mehr als hundert Jahren. Die Verzweigungen im oberen Teil ermöglichen eine optimale Gewichtsverteilung und stützen so die tonnenschweren Gewölbe. Aufwändige Strebekonstruktionen wie bei gothischen Kirchenbauten sind somit nicht notwendig.

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