Casa Batlló, Gaudís Knochenhaus – Infos und Tickets

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Die Fensterfronten der Casa Batlló sehen aus wie offene Mäuler von Monstern, die Säulen wie Knochen, und das Dach erinnert an einen Drachenrücken. Das alles auch noch angereichert mit schrillen grellbunten Farbklecksen. Normal ist das nicht. Was zunächst aussieht wie eine psychedelische Fantasie ist eines der spektakulärsten Bauten des Jahrhundertarchitekten Antoní Gaudí. Nach einem Besuch dieses architektonischen Wunderwerks werden Sie Ihr Eigenheim oder Ihre Stadtwohnung mit ganz anderen Augen betrachten.

Was hat sich Herr Gaudí nur dabei gedacht?

Wie alle Künstler nimmt Antoní Gaudí ästhetische Komponenten aus der Gegenwart oder Geschichte auf, verarbeitet sie, setzt noch eigene Ideen drauf und schafft etwas völlig neues. Wenn dann auch noch technische Innovationen hinzukommen, wie eine intelligente Lüftung und ein ausgeklügelter Lichteinfall so entsteht hier ein Gebäude, das die UNESCO 2005 zum Welterbe kürt

Der Bau wurde 1906 fertiggestellt und fällt somit in die Epoche des katalanischen Jugendstils, des Modernisme. Das aufkommende Bürgertum strotzt vor Optimismus und Fortschrittsgläubigkeit und stellt genügend Mittel bereit um ihr Repräsentationsbedürfnis mit neuen experimentellen Stilmitteln deutlich zu machen. Man zeigt sich der Natur zugewandt und verwendet reiche Verzierungen, mit blumenartigen Elementen und organischen Formen. Gerade Linen und Ecken und Kanten findet der Besucher nur da, wo es wirklich unbedingt nötig ist. Ansonsten beherrschen kurvige, unregelmäßige Decken, Wände, und Möbel die Szenerie.

Links: Keramiken auf der Fassade. Rechts: Ausschnitt aus einem der Seerosengemälde von Claude Monet.

Was zunächst wie wild zusammengemischt erscheint, hat dennoch eine innere Ordnung, nämlich die der Natur. Die knochenähnlichen Säulen geben die natürlichen Proportionen wieder. Einige Balkone ähneln Meeresmuscheln, andere wiederum sehen aus wie Tulpen.  Der Impressionismus entdeckt die fröhliche bunte Seite der  Natur und daher ist die Fassade reich bedeckt mit Keramiken, die an Monets Seerosenbilder erinnern.

 

Casa Batllo Dach

Dachansicht inspiriert von einem schuppigen Drachenrücken

Das Dach sieht aus wie der schuppige Rücken eines Dinosauriers und könnte so aus der Kulisse von Games of Thrones entnommen sein. Das ist eine deutliche Anspielung auf den Schutzpatron Kataloniens des heiligen Jordi. Dieser hatte, der Legende nach, vor den Toren der Stadt Montblanc einen Drachen getötet um die Prinzessin zu retten. Das vierarmige Kreuz, symbolisiert den siegreichen Ausgang des Kampfes und die roten Flecken das vergossene Blut.

Casa Batlló von innen

Salon Casa Batlló

Strudelförmige Decke im Salon der Casa Batlló

Die spektakuläre Fassade ist noch nicht alles. Im Inneren geht es erst richtig los, denn hier zeigt Gaudí seine surreale, vibrierende Traumwelt. Schon im Eingangsbereich mit blauglänzenden Kacheln, hellbraunen Wänden und ovalen Fenstern fühlt sich der Betrachter fast wie in eine Unterwasserwelt versetzt. In den blauen Kacheln des Innenhofs schimmert das Tageslicht und hellt den Raum angenehm auf. Im unteren Teil des Lichthofes, wo weniger Licht hinkommt, sind die Kacheln heller und so wird der gesamte Raum gleichmäßig mit Licht geflutet.

Über Treppenaufgänge, deren Geländer einem Rückgrad eines Dinsoauriers nachgebildet scheinen, gelangt man in den hochherrschaftlichen Salon. Der Blick wandert sofort nach oben, denn dort befindet sich eine riesige strudelförmige Decke, mit einer quallenähnlichen Lampe. Die Arme des Strudels gehen in organisch geförmten Säulen über und die riesigen Fensterflächen mit bunten Gläsern erinnern an Muster auf Schmetterlingsflügel.

Alles scheint sich zu bewegen. Schwindel erfaßt so manchen Besucher und so schauen manche hinab auf  den Fußboden um Orientierung  zu suchen. Das Parkett immerhin ist mit geraden geometrischen Formen belegt. Auch die anderen Räume der Hauptwohnung sind ähnlich gestaltet. Im Eßzimmer steht eine bunte organisch gestaltete Doppelsäule und auch kleinste Details wie Türgriffe oder Fensterbänke hat Gaudí ein seiner surreal, skurrilen Formensprache geschaffen.

Video: Casa Batlló – Es bewegt sich doch

Der Häuserblock der Zwietracht

Mit diesem einmaligen Kunstwerk zeigte Herr Batlló seinen Nachbarn wer hier das Sagen hat. Der Passeig de Gracia hatte sich von einem Feldweg zur Prachtmeile gewandelt und wer hier baut, zeigt dass er es ganz nach oben geschafft hat. Zuvor hatten der Schokoladenfabrikant Antoni Amattler und der Arzt Alert Lleó i Morera in nächster Nachbarschaft ebenfalls spektakuläre Prachtbauten errichtet. Die Villen wurden von den damaligen Stararchitekten Josep Puig i Cadafalch und Lluís Domènech i Montaner gebaut.

Mit der Casa Batlló von Antoní Gaudí stehen nun in nächster Nähe drei architektonische Jahrhunderwerke in bester Lage der Stadt. Schnell fanden die Barcelonier ihre Bezeichnung für diesen Häuserblock am Passeig de Gracia zwischen Aragon und Consejo de Ciento, nämlich „Häuserblock der Zwietracht“.  Man vermutete wohl, dass hier drei geniale Egos miteinander konkurrieren würden. Hinzu kommt, dass die modernistische Bewegung mit ihren überreichen Formen nicht allen Barceloniern zusagte. Viele satirische Zeichnungen bezeugen höchst kritische Anmerkungen nicht weniger Intellektueller.

Heute gehört der Häuserblock mit seiner hinreissenden, eigentlich unmöglichen Formensprache zu den Filetstücken der Stadt. Nach dem Besuch der Casa Batlló sollte man auf jedenfall wenigstens noch die Fassaden der angrenzenden Prachtbauten mitnehmen.

Besuchen Sie Casa Batlló

Wer sich für die surreale Welt des Antoni Gaudí  interessiert steht bald vor der Frage Casa Batlló oder Casa Milà?. Antwort: Am besten beides. Der Vergleich beider Gebäude ist ein ästhetisches Abenteuer. Hier das Casa Batlló mit seiner überreichlich bunt dekorierten Fassade und die geschwungene, dort die elegante Poesie der Steine der Casa Milá. Gaudí hat beide Prachtbauten in seiner künstlerischen Reife im Alter von etwas über 50 entworfen.  Sein Gesellenstück gestaltete er mit 32 Jahren. Das Casa Vicens mit seinen vielen kleinen Türmen und schachbrettartiken Keramiken ist inspiriert von spanischen und arabischen dekorativen Elementen aus der Zeit der Reconquista. Dieses Haus ist noch wenig bekannt, da es erst seit November 2017 für den Publikumsverkehr freigegeben wurde. Jetzt gibt es die Möglichkeit Casa Batlló, Casa Milà und als Bonus das Jugendwerk Gaudís die Casa Vicens mit einem Comboticket zu erleben.

Casa Batlló hautnah bietet eine Theaterführung durch die Villa. Die Magd des Herrn Batlló, die Ramoneta, gespielt von einer Schauspielerin führt Sie höchstersönlich durch die Gemächer und erzählt ihnen intime Einzelheiten und wie die Herrschaften so gelebt haben.

Gaudís Prachtbau öffnet sich dem Publikumsverkehr jeden Tag ab 9:00 Uhr. Falls sie jedoch noch vor dem Ansturm in aller Ruhe die verwegenen Formen und Farben erleben möchten, so bietet das Management besondere Öffnungszeiten ab 8:30. Mit dem Ticket „Sei der Erste“ haben Sie privilegierten Zugang tauchen erleben hautnah die faszinierende Welt von Antoní Gaudí mit Augmented Reality der  SmartGuides und einer ausgeklügelten , eine Video-Tour.

  • Passeig de Gràcia, 43
  • U-Bahnstation Haltestelle Passeig de Gràcia (L2, L3, L4)

Tickets Casa Batlló

Leistungen Erwachsene Kinder und Jugendliche Kinder  
Super Combo Gaudí. Eintritt in Casa Batlló, Casa Mila und Casa Vicens59,00€47,00€ (7-12 Jahre)Eintritt frei (0-6 Jahre)Jetzt buchen!
Casa Batllo und Hop on Hop off Bus 54,50€38,00€ (4-12 Jahre)Eintritt frei (0 - 3 Jahre)Jetzt buchen!
Deutscher Videoguide (Blue ticket) 25,00€22,00€ (7-17 Jahre)Eintritt frei (0-6 Jahre)Jetzt buchen!
Theater Besichtigung 37,00€Eintritt frei (0-6 Jahre)Jetzt buchen!
Sei der erste39,00€Eintritt frei (0-6 Jahre) Jetzt buchen!

 

Chassan Jalloul

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Casa Batlló
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